Archiv für Oktober 2010


Pflaumenkompott

30. Oktober 2010 - 15:35 Uhr

In der Abstellkammer ganz hinten im Regal hinter den Gurken, Bohnen, Kartoffeln und Möhren vom letzten Jahr standen die aus den Jahren davor gesammelten Pflaumen. Carola stellte sich auf die Zehenspitzen und holte das Glas hervor. Auch die anderen Gläser rückten vor und zur Seite und das Möhrenglas barst laut scheppernd auf dem nackten Beton. Das orangefarbene Gemüse verwandelte den grauen Boden in eine bunte Oase, die Carola nicht beachtete. Weiterlesen »

| Schrift

Sirius

19. Oktober 2010 - 18:49 Uhr

Auf dem Rücken liegend, starrte Mohammed hinauf in den wolkenlosen Nachthimmel über Teheran. Die Sterne leuchteten matt und der Junge versuchte gerade den Polarstern ausfindig zu machen, „Du musst die hintere Achse des Großen Wagens verlängern und dann kommst du direkt zu dem Polarstern“, als zwei Flugzeuge mit ihren blinkenden Lichtern, die bekannte Ordnung der Sternbilder durcheinander brachten. Frustriert und den Glauben an seine Augen verlierend, richtete sich der Junge auf, griff nach der Plastikflasche und führte sie zum Mund. Es war eine Flasche mit einem blassem Coca-Cola-Schriftzug und drei Kerben am Flaschenhals. Im Inneren befand sich aber kein süßes schwarzes Getränk mehr, sondern einfaches Wasser. Mohammed ließ das kühlende Getränk seine Kehle hinablaufen und dachte an Maria. Weiterlesen »

| Schrift

Ernest Hemingway – Der alte Mann und das Meer

9. Oktober 2010 - 15:57 Uhr

„Schließlich ist nichts leicht.“

Ein alter Mann, der die beste und erfolgreichste Zeit seines Lebens bereits hinter sich hat, kämpft seinen letzten großen Kampf weit draußen auf dem offenen Meer.
„Niemals habe ich etwas Größeres oder Schöneres oder Ruhigeres oder Edleres gesehen als dich, Bruder“, philosophiert der alte Mann, der seit unzähligen Stunden mit einem Merlin an seinem Angelhaken kämpft. Der Mann ist soweit hinausgefahren, wie keiner der anderen Fischer und er ist vollkommen auf sich alleine gestellt. Es ist ein Kampf nicht nur gegen den Fisch. Es ist auch ein Kampf gegen den eigenen Körper und Geist.
In seiner Erzählung, für die Ernest Hemingway (1899–1961) den Pulitzer- und Nobelpreis bekommen hat, beschreibt er das Leben eines alten Fischers auf Havanna. Er lebt alleine und nur ein junger Mann kümmert sich um ihn. Da der alte Mann schon seit beinahe drei Monaten nichts mehr gefangen hat, fährt er weit hinaus, so weit, wie noch kein anderer Fischer vor ihm hinausgefahren ist. Dort auf dem offenen Meer fängt er an, mit seinem Körper zu sprechen und die Schönheit des Meeres zu bewundern. „Er dachte an die See immer als an la mar, so nennt man sie auf spanisch, wenn man sie liebt.“ Weiterlesen »

| Literatur

Haruki Murakami – Wilde Schafsjagd

8. Oktober 2010 - 20:40 Uhr

Der Sog der mittelmäßigen Welt

Der freie Wille und das Schaf. In dem Roman „Wilde Schafjagd“ beschäftigt sich Murakami mit der Vorstellung vom mittelmäßigen Leben in einer mittelmäßigen Welt. Es ist ein Buch voller magischer Momente und philosophischer Rätsel, das den Leser zum Schmunzeln und Nachdenken anregt.
Es ist ein Foto von Schafen auf einer gewöhnlichen Weide in den japanischen Bergen, die den neunundzwanzig Jahre alten Protagonisten in die Schafwelt entführt. Ein mysteriöser Fremder erteilt ihm den Auftrag eines der Schafe auf dem Bild zu finden. Das Schaf hat eine sternförmige Zeichnung in der Wolle. Nicht nur die Zeichnung macht das Schaf besonders. Es kann auch in Menschen schlüpfen, um sie zu lenken und seinen Plan auszuführen. Sollte der Auftrag misslingen, könnte auch das Leben des Protagonisten vorbei sein. „Wir stecken doch schon mitten in realen Schwierigkeiten!…Spürst du nicht das Wasser am Hals?….Im Gegenteil, ich liebe so was!…Das hier, das ist Leben!“ Weiterlesen »

| Literatur