Archiv für Juni 2011


Tempelhofer Damm

27. Juni 2011 - 21:24 Uhr

Es geschah an einem Sonntagmorgen um drei Uhr in der Früh. In der Hand hielt sie das letzte Stück, der leckersten Pizza, die sie jemals gegessen hatte, und im Blut schwirrte der Alkohol. So erklärte sie bereits seit mehreren Stunden Touristen aus Polen den Weg zum Flughafen Tegel.
Ihre Rettung nahte auf einem gelben Fahrrad mit einem Hut auf dem Kopf und ebenso wie sie hatte er zwar keine Pizza in der Hand aber Alkohol im Blut. Weiterlesen »

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Chico Buarque – Budapest

27. Juni 2011 - 16:24 Uhr

Die Wirren der Sprachen und Identitäten

„Budapest“ ist ein Roman über Sprachen, erfundene Identitäten und die Wirrungen, die sich daraus ergeben.
Jose Costa ist ein anonymer Verfasser von Texten, ein sogenannter Ghostwriter. Seine Klienten sind Poltiker, Künstler und prominente Hochstapler. Manche der von ihm verfassten Texte werden Riesenerfolge, doch niemals kann er dafür den Ruhm einheimsen. Den einzigen Applaus erhält er, wenn er sich mit seinen Kollegen zu einem Treffen der namenlosen Ghostwriter trifft. „Die Wörter stammten von mir, aber sie hatten ein anderes Gewicht.“ Sein Leben gerät durcheinander, als er mit der ungarischen Sprache in Form der rollschulaufenden Kriska in Berührung kommt. Von da an, kann schon bald nicht mehr Fiktion und Realität trennen und das Ende des Buches endet unerhört für einen anonymen Verfasser von Texten. Weiterlesen »

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Tango fatale (2)

23. Juni 2011 - 09:45 Uhr

Die Nacht fiel über die Tanzenden, Scheinwerfer wurden eingeschaltet, beleuchteten das Holzparkett und der Mann tat seinen ersten Schritt auf die Tanzfläche. Unbeholfen, unrhythmisch bewegte er sich, blieb wieder stehen, fühlte sich als Eindringling, wollte wieder fliehen, da spürte er ihre Wade. Erschrocken drehte er sich herum, schon ergriff sie seine Hände, presste ihren Kopf an seine Brust.
Der nächste Schritt ging unbewusst von ihm aus, er machte einen Rückwärtsschritt, sie folgte, der nächste Schritt ging zur Seite, da stieß er an ein anderes Paar, murmelte Verzeihung und ging vor, jetzt schon fast im Rhythmus und als er stehenblieb, tanzte sie einen ocho. Ihr Blick fiel auf seinen, er betrachtete ihre grünen Augen, die roten Lippen, doch mehr Zeit blieb nicht, der Tango forderte seinen Tribut und die Körper gehorchten. Weiterlesen »

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Raymond Carver – Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden

22. Juni 2011 - 13:13 Uhr

Kurzgeschichten, die nicht unberührt lassen

In dem Band „Wovon, wir reden, wenn wir von Liebe reden“, finden sich siebzehn melancholische, manchmal nichtssagende, doch stets verstörende Kurzgeschichten über Menschen aus der amerikanischen Mittelschicht.
„Ich hege große Sympathien für arme arbeitende Menschen. Ich bin ein Teil von ihnen“, sagte Raymond Carver (1938-1988) in einem Interview. Er selber hatte mehrere Jobs, war oft sehr arm. litt unter einer Alkoholsucht, war zwei Mal verheiratet, zuletzt mit der Künstlerin Tess Gallagher, der viele seiner Werke gewidmet sind, und ähnliches erleben auch seine Figuren in dem Band „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden.“ Es sind siebzehn Einblicke in die Amerikanische Mittelschicht, voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, oft ähneln sich die Protagonisten oder Orte, dann sind sie doch völlig anders und schließlich sind sie doch alle gleich. Zeigen uns die Sprachlosigkeit und Lähmung, wenn es um Liebe geht. Weiterlesen »

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Life and how to live it

21. Juni 2011 - 13:50 Uhr

„Schließe deine Augen.“ Diese Wort, gesprochen von einem alten, zahnlosen Mann waren für mich der Grund, warum ich mit dem Schreiben angefangen habe und außerdem standen diese Worte am Beginn meines Lebens.
Damals als ich die Worte hörte, war ich bereits 29 Jahre alt, also alles andere als der Beginn eines Lebens. Vielmehr steckte ich schon mittendrin. Ich hatte eine Frau, eine Katze und eine Eigentumswohnung. Meine Tätigkeit als Kommunalbeamter in dieser schönen Stadt verrichtete ich im Amt für Sozialhilfe. Ich zahlte Bedürftigen Geld aus oder kürzte es ihnen, wenn sie ihren Staatspflichten nicht ordnungsgemäß nachkamen. In diesem Zusammenhang fällt mir das speckige Baby ein, welches eine noch speckigere Mutter mit einer riesigen Warze über dem rechten Auge in ihren Armen hielt. Die Mutter muss das Baby zu sehr geschüttelt haben, denn das Baby erbrach sich auf meinem Schreibtisch. Eine rosigweiße Flüssigkeit beschmutzte das Formular n-13. Somit musste die Frau in den nächsten vier Wochen ihren Lebensmitteleinkauf reduzieren. Weiterlesen »

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José Saramago – Das Zentrum

19. Juni 2011 - 15:22 Uhr

Ein großes philosophisches Gleichnis leicht verpackt

Mit „Das Zentrum“ ist Saramago ein leicht lesbares philosophisches Kunstwerk voller Poesie über Liebe und Mitgefühl geglückt.
„Das Zentrum“ von José Saramago ist die Geschichte über einen alten Töpfer, der mit seiner Tochter auf dem Land wohnt und seine Waren an das große Zentrum in der Stadt verkauft. In diesem Zentrum gibt es alles, was man sich erträumt, nicht nur Waren des täglichen Lebens, nein auch Südsee, Strand, Naturereignisse, Wohnungen, Fahrstühle, Rolltreppen, Cafés, Diskotheken, Springbrunnen, konstante Lufttemperatur und Feuchte, niemand braucht mehr das Zentrum zu verlassen, zudem gibt es auch keine Verbrechen, da die Sicherheit groß geschrieben wird, für alles braucht man Forumlare. Als die Töpferei schließen muss, da das Zentrum beschließt, die Töpfe und Vasen nicht mehr zu kaufen, da sie nicht mehr zeitgemäß sind, Plastik Weiterlesen »

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Das Mal

16. Juni 2011 - 21:18 Uhr

Der Mann, der eben an uns vorbeiläuft, trägt nicht das Kainsmal auf seiner Stirn, da sind wir uns sicher, dieses mit Namen Kai getaufte Mal, trug nur der allererste Mann mit diesem Namen, doch als der Mann uns vor wenigen Sekunden erblickt hatte, fuhr er erschrocken zusammen und wendete sofort sein Gesicht von uns ab und passiert uns schließlich mit gesenktem Kopf.
Uns bleibt nicht viel Zeit, uns zu wundern, ob des merkwürdigen Gebarens dieses Mannes, der nicht viel älter sein dürfte als vierzig. Sein sportlicher Körper in Kombination mit der Jeanshose und dem Kapuzensweatshirt ließ uns dieses Alter schätzen. Sein wahres Alter werden wir wohl nie erfahren, wenn er es uns nicht verrät, doch wir sind uns sicher, dass er entweder höchstens zwei Jahre älter ist als vierzig oder zehn Jahre jünger. Noch jünger kann er nicht sein, denn ihm fehlt, diese Unbekümmertheit, ja Arroganz, die Männer unter dreißig an den Tag legen. Weiterlesen »

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