Archiv für August 2011


Yoko Ogawa – Das Ende des Bengalischen Tigers

23. August 2011 - 14:55 Uhr

Der Tod in verschiedenen Facetten

Elf miteinander verwobene Geschichten über den Tod, Trauer und schmerzvolle Liebe finden sich in dem Band „Das Ende des Bengalischen Tigers.“
„Meine Erinnerungen sind ausschließlich Geschichten des Todes“, sagte eine der Figuren in „Das Ende des Bengalischen Tigers“, von Yoko Ogawa. Und der Tod ist in jeder der elf Geschichten spürbar. Sei es in einer Ausstellung über Folterwerkzeuge oder wenn eine Mohrrübe einer menschlichen Hand ähnelt, ein Bengalischer Tiger seine letzten Atemzüge in den Armen seines Pflegers macht oder die auf einer Straße verstreuten Tomaten. „Er wurde zerquetscht. Wie pürierte Tomaten.“
Die Geschichten beginnen harmlos, driften manchmal ab ins Groteske oder Surreale und steigern sich ins Unfassbare. Wie bei Haruki Murakami sind es oft Alltagsgeschichten, in denen die Protagonisten in ungewöhnliche Situationen geworfen werden. Weiterlesen »

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Tango fatale (4)

19. August 2011 - 20:24 Uhr

Unsicher waren ihren ersten Schritte auf den Straßen von Buenos Aires nach dem langen Flug. Der Staub, der überall zu sein schien, drang in ihre Kehlen und die beiden Ankömmlinge schlichen langsam aufgrund der Schwüle und der Erschöpfung über die Avenida Corrientes vorbei an Buchläden und Theatern in ein kleines Café. Dort sanken sie auf die klapprigen Holzstühle, bestellten starken Kaffee und fühlten die Kraft in ihre Körper zurückkehren.
Ist es nicht wunderbar? Schon heute werden wir hier tanzen, sagte er lächelnd zu ihr, sie nickte, wie wohl der Tanz hier in der Heimat des Tanzes sein wird? So wie er sein soll, rau und zärtlich, das werden wir spüren, wenn wir mit den Einheimischen tanzen, ich will nur mit dir tanzen, sagte sie fast flehend, Weiterlesen »

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Jean-Paul Sartre – Das Spiel ist aus

19. August 2011 - 17:41 Uhr

Wenn das Leben vorherbestimmt ist

Sartres Drehbuch „Das Spiel ist aus“ handelt von zwei sehr unterschiedlichen Menschen, die eine neue Chance bekommen, aber nur, wenn sie trotz aller Umstände zu ihrer Liebe stehen.
Zwei Menschen, die reiche Éve Charliers und der im Widerstand kämpfende Pierre Dumain sterben und wandeln fortan zwischen den Lebenden umher. Irgendwann gewöhnen sie sich an dieses Leben, das für sie endlich Freiheit bedeutet. „Während es die Lebenden eilig haben, schlendern die Toten langsam umher, traurig und ein bißchen schemenhaft.“ Frei von allen Zwängen und Verpflichtungen verlieben sie sich ineinander. Sie tanzen unbeschwert inmitten der Lebenden, doch sie können sich nicht berühren und wünschen sich, sie könnten noch einmal neu anfangen. Weiterlesen »

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Staub

17. August 2011 - 15:40 Uhr

Sie zog an einer Ecke des schweren Sofas. Nur widerwillig bewegte es sich wenige Zentimeter vor. Erschöpft sank die Frau auf die Knie und schaute hinter das Sofa in eine fingerdicke Staubschicht. Die Frau streckte ihren Finger aus und strich sanft, fast zärtlich über diese Mischung aus abgestorbenen Hautschuppen, synthetischen Fasern und allerlei weiteren Stoffen. Es fühlte sich glatt und lebendig an und als sie mit ihrem Finger hineinstach, wirbelte eine Vielzahl Partikel in die Luft, drangen in ihre Lungen und sie musste Husten. Weiterlesen »

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Tschingis Aitmatow – Dshamilja

16. August 2011 - 14:56 Uhr

Liebe findet immer einen Weg

Tschingis Aitmatows „Dshamilja“ ist eine Liebeserklärung an Kirgisistan und an die Macht der Poesie, Kunst und Liebe überhaupt.
Es ist schon eine besondere Liebesgeschichte, die Tschingis Aitmatow in „Dshamilja“ erzählt. Fern ab von der westlichen Welt spielt sie in einem Aul (Dorf) in der ehemaligen Sowjetrepublik Kirgisistan. Es ist ein Land in dem „wilder Wermut wächst, der Wind den milchigwarmen Honigduft blühender Maisfelder und den Geruch von Äpfeln und trockenem Kuhmist miteinander mischt.“ Doch so herrlich die Landschaft auch ist, die Bevölkerung hat unter den Folgen des zweiten Weltkrieges im Jahr 1943 zu leiden. Viele Familien haben ihre Männer im Krieg verloren. Es gibt Dorfregeln, die befolgt werden müssen und es gibt Regeln die der Staat aufstellt. Weiterlesen »

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Haruki Murakami – Der Elefant verschwindet

13. August 2011 - 20:35 Uhr

Die kleinen Risse in der eintönigen Welt

Neun Erzählungen über verschwindende Elefanten, Aufziehvögel und andere Kuriositäten, lassen den Leser in die surreale, philosophische Welt von Murakami eintauchen und dabei ist gute Unterhaltung garantiert.
„Was zu nahe ist, sieht man nicht.“ Dieser Satz aus einer Erzählung von Haruki Murakami findet sich in dem Band „Der Elefant verschwindet.“ Und dieser Satz könnte für alle neun Geschichten gelten, die von gewöhnlichen Menschen mit einem Faible für gesunde Ernährung, Zigaretten, Alkohol und Musik handeln. Der Beruf, der Menschen spielt kaum eine Rolle, sie sind Autoren, PR-Manager oder Arbeitslos und leben „…in einer auf Nützlichkeit ausgerichteten Welt.“ Es ist eine eintönige, langweilige Welt. Weiterlesen »

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Yoko Ogawa – Der zerbrochene Schmetterling

4. August 2011 - 10:47 Uhr

Der Wunsch nach Geborgenheit

Die drei frühen Werke von Yoko Ogawa wandern zwischen Ekel und Sauberkeit, einer realen Welt und einer nicht weniger realen Traumwelt.
Die 1962 geborene Yoko Ogawa begann 1988 mit dem Schreiben. Und drei ihrer frühen Werke finden sich versammelt in dem Band „Der zerbrochene Schmetterling.“
Es sind Erzählungen, die zwischen Ekel und Sauberkeit balancieren. Die Reinheit eines Swimmingpools und die glatten, sehnigen Muskeln eines Turmspringers wird in der ersten Geschichte, die stärkste in dem Band, von einem Mädchen beobachtet. Sie ist verliebt in ihn und sie kommt ihn ganz nahe, als sie später gar den fallenden Schnee mit ihm beobachtet. „Er springt geradewegs in mich hinein.“ Sie sucht Geborgenheit, da sie zwar Eltern hat, Weiterlesen »

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