Archiv für März 2012


Der Anruf

30. März 2012 - 19:17 Uhr

Das Telefon klingelte bereits, als ich die Wohnung betrat.
„Hallo?“ Der Anrufer sagte nichts, vielleicht hatte er auch schon aufgelegt, denn als ich noch einmal meine Begrüßungsformel wiederholte, erhielt ich erneut keine Antwort.
Ich war schon im Begriff aufzulegen, als ich eine Frauenstimme hörte, „Es tut mir leid.“
„Bitte? Was tut ihnen leid?“
„Dass ich sie bei einer wichtigen Beschäftigung störe.“
„Nein, nein, sie stören nicht. Ich bin zwar gerade erst nach Hause gekommen, doch habe ich meine Arbeit bereits hinter mich gebracht“, sagte ich , irgendwie ließ die Stimme der Frau den Ärger des Tages verschwinden, deshalb sagte ich noch leicht schmunzelnd, „also was kann ich für sie tun? Wollen sie mir vielleicht einen neuen Tarif für meinen Anschluss anbieten oder geht es um eine Meinungsumfrage?“ Weiterlesen »

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Clive Barker – Das dritte Buch des Blutes

13. März 2012 - 13:53 Uhr

„Angst war für jene, die noch eine Überlebenschance hatten.“

Der dritte Band der Blutbücher-Reihe enthält fünf Kurzgeschichten, die von Rache und dem Tod handeln, die Geschichten sind nicht ganz so stark, wie in den ersten beiden Bänden, doch können sie immer noch überzeugen.
Clive Barker (geb. 1952) glaubt nicht an einen einzigen Gott, denn so kann es nur eine einzige Wahrheit geben und alles andere müsse gelogen sein, was natürlich dazu führe, dass es eine Menge Lügner unter den Menschen gäbe, wie er 1985 in einem Interview erläuterte,
Deshalb sind seine Geschichten oft voller Kritik an der monolithischen christlichen Kirche, wie es auch im dritten Band seiner Blutbücher-Reihe von 1990 zu lesen ist.
Gleich in der ersten Geschichte, „Rohkopf Rex“, die übrigens eine der ersten Verfilmungen einer seiner Geschichten im Jahre 1986 war, wird ein Mann getauft von einem urtümlichen Wesens, das voller Hass auf die Menschheit ist, die es jahrhundertelang gefangen hielt. „…dass das Wesen einen glitzernden Strahl seines Harns auf Declans emporgewandtes Gesicht gerichtet hielt.“
Eine anderer Aspekt, der in seinen Geschichten offensichtlich wird, ist seine unbekümmerte Art mit Sexualität zu spielen. Viele Szenen sind freizügig und auch Homosexualität taucht öfters auf. Sexualität sei wie Religion, erklärte er einmal dazu. Weiterlesen »

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Das Leben des Anglers

13. März 2012 - 10:01 Uhr

Als kleiner Junge hatte er genagelt, daran erinnerte er sich plötzlich wieder, doch wie es war einen lebenden Köder, und war es auch nur ein Regenwurm, an den Haken zu befestigen, das wusste er nicht mehr. Woran er sich aber erinnerte, war die Angelrute in seinen Händen und das stille Wassers, das er stundenlang betrachtet hatte, manchmal gar bis das Rot der untergehenden Sonne sich in dem Wasser spiegelte.
Warum tauchte diese verlorene Erinnerung wieder auf, fragte er sich gerade, als ihm dann wieder einfiel, dass er niemals etwas gefangen hatte, und das lag an den Ködern. Er hatte nie einen lebendigen Köder benutzt.
Abends erzählte er seiner Frau von dieser Erinnerung, worauf sie nur erwidert hatte, Erinnerungen seien etwas wundervolles, doch solle er sich nicht zu lange dort aufhalten, denn schließlich gehe das Leben weiter, es bliebe niemals stehen und außerdem sei Angeln doch neben Schach, das Langweiligste, was sie sich vorstellen könne, zum Glück seien seine Jugendtage vorbei. Weiterlesen »

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