Archiv für November 2014


José Saramago – Kain

23. November 2014 - 23:05 Uhr

Die Geschichte des Brudermordes neu erzählt

Mit einem seiner letzten Romane schreibt Saramago noch einmal die Bibel um lässt den Leser über Gott nachdenken.
Der 2010 verstorbene Literaturnobelpreisträger José Saramago war bekennender Atheist und hat sich in seinen Büchern immer kritisch, aber nie unsachlich mit der katholischen Gottesgläubigkeit auseinandergesetzt.
Einen regelrechten Skandal gab es 1992 nach erscheinen seines Buches „Das Evangelium nach Jesus Christus.“ Saramago stand auf der Liste für den Europäische Literaturpreis, doch der Staatssekretär der konservativen Regierung strich ihn von dieser Liste, da sein Buch die Gefühle der Katholiken in Portugal verletze. Aus Protest zog Saramago nach Teneriffa, wo er bis zu seinem Tod lebte. Weiterlesen »

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Stellungskrieg

11. November 2014 - 18:46 Uhr

Die Stellung muss immer gehalten werden, ob es stürmt oder schneit, der Magen knurrt, die Blase voll und die Gelenke Schmerzen. Niemals darf die Stellung verlassen werden.
Diese Worte seines Urgroßvaters, die im Originaltagebucheintrag noch mit drei Ausrufezeichen versehen waren, kamen ihm wieder einmal in dieser Nacht in den Sinn, während er sich Kaffee aus der Stahlthermoskanne eingoss. Das Tagebuch hatte er bereits als Jugendlicher gelesen und war fast augenblicklich fasziniert gewesen. Zuerst nur von den Worten später dann auch vom ersten Weltkrieg. So erfuhr er von den Schützengräben und den weitläufigen Tunnelsystemen, die von den Veteranen angelegt wurden, hatte die Tunnel in Frankreich durchwandert, die Zeichnungen der jungen Soldaten fotografiert und sich gefühlt, als wäre er im Krieg. Doch so realistisch ihm die Vorstellung erschienen war, sie war doch nur ein Produkt der Fantasie, wie es tatsächlich gewesen war, das konnte er nicht wissen. Jedenfalls hatte er das all die Jahre gedacht, bis zum heutigen Tag. Weiterlesen »

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