George Orwell – 1984

6. Juli 2017 - 12:05 Uhr

Aktueller denn je

1984 ist eine Geschichte über unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, denn alles wiederholt sich.
Eine Geschichte kann niemals eine Hilfe für das Leben sein, die Menschen nehmen die Bücher viel zu ernst, dabei ist es nur eine von einem Menschen erdachte Geschichte, so sagte es vor etlichen Jahren mein Deutschlehrer. Aber ihm zustimmen, konnte ich schon damals nicht. Bücher können sehr wohl eine Hilfe sein, denn sie regen zum Nachdenken an, also zumindest einige und der Lesende lernt eventuell aus Fehlern, ob nun erfundenen oder tatsächlich begangenen, so groß ist der Unterschied nicht. Denn manche Fehler wiederholen sich in der Realität immer wieder, wann wird sich dies ändern?
Der Englische Schriftsteller und Journalist George Orwell (1903-1950) ist vor allem bekannt für seine Bücher, die Farm der Tiere und 1984 und das letztgenannte hat erst vor kurzem wieder die Bestsellerlisten erobert.
Im Jahre 1948 schrieb Orwell seine Zukunftsversion für das Jahr 1984. In diesem Jahr ist es der Große Bruder, der alles sieht, alles kontrolliert. „Seine Gefühle zu verbergen, sein Mienenspiel zu kontrollieren, das zu tun, was alle taten, war eine Instinktreaktion.“ In dieser Welt zählen Gefühle nichts, der Mensch soll funktionieren wie eine Maschine. Alles, was wir als menschlich ansehen, zählt nichts mehr. Sex dient lediglich der Reproduktion neuer Maschinen, Träumereien bringen nichts, Liebe existiert nicht mehr. „Eine Nation von Kriegern.“
Die Geschichte, die Orwell da erzählt, ist nicht neu und wird immer wieder aufgegriffen, so z. B. von Charlie Chaplin in Modern Times, lediglich der Schwerpunkt ist etwas verlagert. Einige Jahre nach Orwells Buch erschien „Fahrenheit 451“, auch dieses spielt in einer Zukunft, die der Kontrolle unterliegt, einige wenige entscheiden über die stumme Mehrheit. In Orwells Geschichte arbeitet der Protagonist im Ministerium der Wahrheit und seine Aufgabe ist es, die Wahrheit anzupassen. Denn wer an der Macht ist, kann auch tatsächlich Geschehenes verändern. Die Arbeit, die die Menschen im Ministerium erledigen müssen, hinterfragen sie nicht, schließlich ist das ihre Aufgabe, doch Smith beginnt an der Arbeit zu zweifeln und damit beginnen seine Probleme. Denken ist nicht erwünscht, vielmehr ist Doppeldenk gefragt. Hierbei wird verlangt zwei sich eigentlich ausschließende Meinungen als wahr zu akzeptieren, Ja ist sowohl ja, als auch nein. Das Buch wurde im Jahr 2017 zum Bestseller, auch weil die amerikanische Regierung vieles aus dem Roman wahr werden ließ. Alternative Fakten wurden angeboten, neue Wörter erfunden. Neusprech, wie es in 1984 heißt.
Diese Zukunftsversion oder auch die in Ray Bradburys Buch Fahrenheit 451 soll zwar in der Zukunft spielen, doch sie handelt natürlich auch von der Vergangenheit und der Gegenwart, denn wenn wir nicht aufpassen, rutschen wir immer mehr in einen Überwachungsstaat hinein, der natürlich nur unser Bestes will. „…öffentliche Hinrichtungen, Folterung zwecks Geständniserpressung, Geiselnahme ganzer Bevölkerungen – nicht bloß allgemein wieder eingeführt, sondern auch von Leuten toleriert und sogar verteidigt, die sich für aufgeklärt und fortschrittlich hielten.“
Die einzige Rettung liegt wie so oft in der Liebe. Smith findet eine Gleichgesinnte und gemeinsam versuchen sie in dieser Welt zurechtzukommen, bauen sich ihre eigene Nische, schlüpfen unerkannt durch die Menge und werden sie Erfolg haben?

George Orwell: 1984. Roman. Aus dem Englischen von Michael Walter. Originaltitel: Nineteen eighty-four. Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG. München. 384 Seiten