Jenny Rogneby – Leona – Der Zweck heiligt die Mittel

2. März 2017 - 06:42 Uhr

Nervenkitzel nicht mehr garantiert

Das Buch beginnt Großartig, nur um dann in Langeweile zu verfallen.
Der zweite Teil der Leona-Trilogie ist in Deutschland erschienen. Ich habe dieses Buch sehnsüchtig erwartet, denn der erste Teil hat mich sehr überzeugt. Dementsprechend fiel mein Urteil aus: Spannende Geschichte mit einem gelungenen Plot, der vielen Wendungen bereithält, die einen extra Nervenkitzel bringen und nicht zuletzt, versteht es die Autorin sprachlich zu überzeugen.
Die Hürden waren somit hoch für die Autorin und umso tiefer ist sie nun gefallen. Denn es ist das schlimmste passiert, was einem Buch angetan werden kann. Ich habe den zweiten Teil nicht zu Ende gelesen und es ist mir gleichgültig, wie die Geschichte um die Ermittlerin Leona ausgeht. Wie konnte es soweit kommen?
Der Beginn ähnelt dem ersten Teil. Nämlich mit einem Paukenschlag. Der Leser wird sofort ins Geschehen geworfen, hat keine Zeit Luft zu holen, sich zu erinnern, an die mit ihrem Leben hadernde Ermittlerin Leona.
Ein Mann sprengt sich vor dem Reichstagsgebäude in Schweden in die Luft. Währenddessen sitzt Leona bei einer Psychotherapeutin und erzählt von ihrem Leben, in dem viel passiert ist. Sie war im ersten Teil mit einem ebenso heiklen Auftrag befasst, ein siebenjähriges Mädchen spaziert in eine Bank in der Hand ihren Teddy und ein Kassettenrekorder und damit gelingt es ihr Geld zu erbeuten. Die Geschichte bot viele Wendungen und war spannend vom Beginn bis zum Ende.
Im zweiten Teil muss Leona die begonnenen Handlungen weiterführen, denn nicht alle Stränge waren zu Ende erzählt, Überraschungen waren zu erwarten.
Überraschungen gibt es. Manches hat sich für die Protagonisten zum guten gewendet, anderes verschlimmert, dies wird aber nur kurz nebenbei erzählt. Somit kann man den zweiten Teil auch ohne den ersten Lesen, vielleicht ist dies sogar besser.
„Ohne Risikobereitschaft kam man ihm Leben nicht weiter.“ Risiko ist hier wohl das richtige Wort. Leona riskiert viel im zweiten Teil, begibt sich in ein Terrain, das viele Fallstricke bildet. Eigentlich alles gut. Doch vermag die Geschichte nicht zu fesseln, obwohl die Aktionen größer, unglaublicher sind. Das liegt wohl an der fehlenden Vielschichtigkeit von Leona. Denn das besondere am ersten Teil war bei der Protagonistin diese Ambivalenz einerseits wohlüberlegt Handelnde andererseits vom Schicksal getriebene. Ihre persönlichen Probleme, ihre Vergangenheit war immer ihr Antrieb für ein zukünftiges besseres Leben. Manche Leser fanden die Story unglaubwürdig, an den Haaren herbeigezogen, egal was man darüber denken mag. Die Geschichte vermochte zu unterhalten, ähnlich wie bei James Bond. Nicht alles was gesagt, getan wurde, sollte auf Richtigkeit überprüft werden.
Und der zweite Teil, ist wie gesagt, größer, unglaublicher, doch diesmal vermag er nicht zu fesseln, deshalb bleibt mehr Zeit alles zu hinterfragen.
Nach dem sehr guten Debütroman der Autorin Jenny Rogneby ist der zweite Teil leider gewöhnlich langweilig.
Jenny Rogneby: Leona – Der Zweck heiligt die Mittel. Roman. Aus dem Schwedischen von Antje Rieck-Blankenburg. Originaltitel: Leona – Alla medel tillatna . Atrium Verlag. Zürich. 459 Seiten