Lax

a) Synonym für lässig, schlaff, lau

b) Schwedisch für Lachs

Durch das ständig herabstürzende Wasser bilden sich Schaumkronen an der Oberfläche des flachen Gewässers. Doch nicht nur das Wasser ist in Bewegung, auch unter der Wasserlinie ist Hektik. Silbrig glänzende Lachse drängen sich vor dem Wasserfall. Die Flossen zucken vor und zurück, die Mäuler schnappen aufgeregt in dem sauerstoffreichem Wasser, die Augen suchen einen Mutigen. Doch keiner der Fische wagt den nächsten Schritt. So wird das Gedränge immer größer, denn immer mehr Fische finden sich an diesem Platz ein. Die Fischkörper stoßen nun immer öfter aneinander. Sie können kaum noch länger warten. Und dann ist es endlich soweit. Ein Mutiger schnellt vor. Mit einem kräftigen Schlag seines Schwanzes katapultiert sich der Lachs in die Höhe. Er befindet sich nun in einem ihm feindlichen Element: der Luft. Doch er will nur den Wasserfall hinauf, dann wird er wieder in sein Element fallen. Und fast erreicht er das Wasser oberhalb des Falles wieder. Aber dann schnappt ein Bär mit einem schnellen gezielten Biss zu und er hat seinen ersten Lachs im Maul. Und er und die anderen Bären hier an einem Fluss in Alaska wissen, es werden noch mehr Lachse kommen. Zuverlässig wie ein Uhrwerk kehren die Lachse zur Laichzeit an ihren Geburtsort zurück. Und im nächsten Moment ist es soweit. Ein Fisch nach dem anderen springt den Wasserfall hoch, als wären den Wasserbewohnern Flügel gewachsen. Die Bären müssen einfach nur ihr Maul aufreißen.
Es gibt beinahe zweihundert Arten innerhalb der Familie der Salmonidae (Lachsfische). Die bekanntesten und wirtschaftlich bedeutendsten sind wohl: Atlantischer Lachs (Salmo salar), Forelle (Salmo trutta), Silberlachs (Oncorhynchus kisutch) und Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss). Der Atlantische Lachs wird bis anderthalb Meter groß und lebt im Atlantik. Der Silberlachs wird bis zu einem Meter lang und lebt im Pazifik. Zum Laichen wandern die Lachse an ihren Geburtsort im Süßwasser zurück. Dabei überwinden sie springend auch kleinere Wasserfälle. Während der Atlantische Lachs meist nach der Befruchtung ins offene Meer zurückschwimmt, verendet der Silberlachse nach der Eiablage und Befruchtung. Er gehört zu zu den semelparen Organismen, d.h. nach der Fortpflanzung – der Höhepunkt ihres Lebens – sterben die Tiere.
Der Lachs galt lange Zeit als teure Delikatesse, da der Bestand der Lachse durch die zunehmende Verschmutzung der Flüsse und Überfischung immer mehr abnahm. Doch mittlerweile sind die Flüsse sauberer geworden und durch Einführung einer Fangquote konnten sich die Bestände etwas erholen. Der Lachs wird mittlerweile in jedem Supermarkt als rosa Streichbelag, in Scheiben oder in sonstigen Formen angeboten. Zu seiner Beliebtheit trägt auch bei, dass der Fisch reich an essentiellen Omega-3-Fettsäuren ist. Neben dem Fang von Wildlachs wird der Größte Anteil der bei uns erhältlichen Lachse in in Zuchtfarm aufgezogen, so genannten Aquafarmen. In diesen Aquafarmen – der größte Produzent ist Norwegen – werden die Fisch im offenen Wasser, z. B. Fjorden in Netzkäfigen gehalten. Die Tiere werden mit aus wild gefangenen Fischen bestehendem Fischmehl gefüttert. Für ein Kilogramm Lachsfleisch wird mindestens das dreifache an Fischmehl benötigt. In den Käfigen werden die Lachse auf engstem Raum gehalten um Kosten zu sparen. Dies führt aber dazu, dass sich Parasiten und Krankheiten schnell ausbreiten können und sogar auf wilde Lachse überspringen. Zur Bekämpfung der unerwünschten Parasiten und Krankheiten werden den Netzkäfigen Antibiotika und Chemikalien beigesetzt. Doch die Tiere werden nicht nur des Fleisches wegen gefangen, auch die Tierhaut findet Verwundung in der Modeindustrie. Die Bezeichnung der Haut laut: Lachsleder. Dieses stammt zumeist aus Aquakulturen.
Die Bären haben so viele Lachse gefressen, wie sie konnten, doch die Mehrzahl der wandernden Fische erreicht das seichtes Wasser. Hier findet nun ein weiteres Spektakel statt. Die Weibchen legen ihre Eier ins Kiesgestein und die Männchen schleudern sodann ihr Sperma in das Wasser um die Eier zu befruchte. Innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich das klare Nass in eine milchigtrübe Brühe. Damit haben sie ihr Lebensziel erreicht. Erschöpft und entkräftet nach der langen Reise verenden die adulten Tiere. Doch ihre toten Körper düngen die Pflanzen und dienen als weitere Nahrungsquelle für eine Vielzahl an Organismen und auch ihr Nachwuchs profitiert davon. In ein paar Monaten werden aus den Eier neue Lachse schlüpfen, ins Meer wandern und zur Fortpflanzung hier wieder zurückkehren. Und die Bären und andere Räuber werden darauf wieder warten und sich in Vorfreude die Mäuler lecken. Haben sie doch noch das letzte Festmahl in Erinnerung.

Infos über Lachsfang, Lachsbestand, Überfischung, Aquakulturen:

www.seashepherd.org

www.greenpeace.org

www.peta.de

www.iucnredlist.org